Die Wahrheit über Morgenroutinen: Was wirklich zählt
Es gibt unzählige Beiträge und Meinungen zum Thema Morgenroutine – häufig im Zusammenhang mit Erfolg und Produktivität. Dabei wimmelt es von Mythen, die uns glauben lassen sollen, dass die richtige Morgenroutine automatisch zum Karriereerfolg führt. Prominente Beispiele wie „Steve Jobs hat das auch so gemacht“ werden gerne als Beleg herangezogen. Aber ist das wirklich so einfach?
In diesem Artikel räume ich mit solchen Mythen auf. Ich zeige dir, was wirklich bewiesen ist und was eher ins Reich der Märchen gehört. Mach es dir also gemütlich und viel Spaß beim Lesen!
1. Warum überhaupt eine Morgenroutine?
Wenn wir von „Morgen“ sprechen, können zwei Dinge damit gemeint sein: Zum einen die Tageszeit zwischen 6:00 und 10:00 Uhr. Zum anderen kann „Morgen“ auch der individuelle Tagesbeginn sein – z.B. 4:00 Uhr für Frühschichtler:innen oder 12:00 Uhr für Nachtaktive. Uns geht es hier um letzteres – die Zeit, in der Du Deinen Tag beginnst.
Eine Morgenroutine ist aus einem simplen Grund sinnvoll: Gehirn und Körper benötigen Zeit, um in den Tag zu finden. Es dauert, bis Du Dich wirklich wach fühlst, und bis dahin ist es ratsam, auf Autopilot zu laufen. Eine Routine hilft, den Start in den Tag zu erleichtern, ohne groß nachdenken zu müssen.
2. Früh aufstehen – Muss das sein?

„Erfolgreiche Menschen stehen früh auf und erledigen die wichtigsten Dinge, bevor alle anderen wach sind.“ So hört man es oft. Aber diese Annahme ist trügerisch. Denn wenn das stimmen würde, müssten all diese erfolgreichen Menschen genetisch als „Lerchen“ geboren sein – also Frühaufsteher:innen. Denn ob wir früher oder später aufstehen liegt zum einen am Stand der Sonne und damit z.B. auch an der Jahreszeit und dem Ort, an dem wir uns auf der Erde befinden und zum anderen an unserem ganz individuellen aber genetisch festgelegten circadianen Rhythmus. Der circadiane Rhythmus legt den Ablauf der Stoffwechselprozesse des Körpers fest und wie diese im ca. 24 Stunden Takt ablaufen – er bestimmt also unter anderem, wann wir uns wach und wann müde fühlen. Der circadiane Rhythmus verhält sich relativ zum Tageslicht und synchronisiert sich darüber auch – am deutlichsten können wir diese Synchronisierung bei einem Jetlag spüren. Da der circadiane Rhythmus aber genetisch festgelegt ist, können wir nicht einfach an ihm vorbei agieren. Natürlich können wir mal früher aufstehen und später ins Bett gehen aber dauerhaft halten wir das nicht durch. Nicht, ohne uns selbst damit physisch und psychisch zu schaden. Wenn du den Blogartikel einer Person liest, die früh um 5 auf den Beinen ist, dann check erstmal, ob diese Person nicht vielleicht im sonnigen Kalifornien lebt. Mehr zu dem Thema findest du in den Quellen.
3. Wasser statt Kaffee – Macht das Sinn?
Zu Beginn des Tages wird oft empfohlen, 2 Gläser warmes Wasser zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust der Nacht auszugleichen. Warmes Wasser ist eine gute Wahl – der Körper muss es nicht erst auf Körpertemperatur bringen, und du sparst Energie außerdem regt es den Kreislauf und Stoffwechsel an. Aber wie sieht es mit Kaffee aus? Dehydriert er wirklich?
Kaffee hat tatsächlich eine leicht harntreibende Wirkung. Doch das bedeutet nicht, dass er uns vollständig austrocknet. Das Wasser, das du durch den Kaffee aufnimmst, gleicht den Flüssigkeitsverlust mehr als aus. Du musst also nicht auf Kaffee verzichten, um hydriert zu bleiben.
4. Frühstück – Die wichtigste Mahlzeit des Tages?

„Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.“ Dieses alte Sprichwort haben wir alle schon einmal gehört. Doch es handelt sich dabei nicht um eine deutsche Weisheit, sondern um einen cleveren Marketing-Slogan von Kellogg’s. Wissenschaftlich ist diese Behauptung längst widerlegt.
Ob du frühstücken solltest, hängt von dir ab. Manche Menschen brauchen morgens eine nahrhafte Mahlzeit, andere nicht. Wenn du frühstückst, achte darauf, dass es nährstoffreich und ausgewogen ist: Proteine (z. B. Milchprodukte, Eier), Kohlenhydrate (z. B. Haferflocken, Vollkornbrot) und Vitamine (z. B. Obst) versorgen dich mit Energie und halten dich lange satt.
5. Snoozen oder nicht snoozen?
Der Snooze-Button ist verlockend, doch er schadet tatsächlich mehr, als er nützt. Jedes Mal, wenn du auf „Schlummern“ drückst, fällst du kurz in den Schlaf zurück, nur um direkt wieder geweckt zu werden. Das führt zu einem gestörten Start in den Tag und kann negative Gefühle hervorrufen.
Doch auch ein hektisches Aufspringen aus dem Bett ist keine Lösung. Studien zeigen, dass dies Stress und Ängste auslösen kann. Stattdessen solltest du dir nach dem Aufwachen einen Moment Zeit nehmen, um dich zu strecken, tief zu atmen und dich langsam auf den Tag einzustellen.
6. Kalte Dusche und Sport – Der Energiekick am Morgen?
Kalte Duschen und Sport am Morgen werden oft als Wundermittel für Energie und Produktivität angepriesen. Aber sie passen nicht zu jedem. Wenn du dich durch eine Joggingrunde am Morgen völlig verausgabst, wirst du im Büro wahrscheinlich nicht besonders energiegeladen sein. Ein leichtes Workout oder Yoga kann jedoch helfen, den Kreislauf in Schwung zu bringen.
Fazit: Nicht jede:r braucht eine kalte Dusche und ein intensives Training, um gut in den Tag zu starten. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst und das machst, was dir guttut.
Die perfekte Morgenroutine – Ein Beispiel
- Aufwachen: Plane genug Zeit ein, um den Morgen entspannt zu gestalten (ca. 1-1,5 Stunden).
- Sanft in den Tag starten: Setze dich im Bett auf, strecke dich, öffne das Fenster und lasse Licht ins Zimmer.
- Wasser trinken: Trinke 1-2 Gläser warmes Wasser.
- Frühstück: Bereite dir ein nährstoffreiches Frühstück zu – frühstücke ohne Hektik.
- Bewegung: Mach einige Dehnübungen oder Yoga.
- Körperpflege: Frische dich auf, putze die Zähne – der Tag kann beginnen!
Die Morgenroutine sollte nicht zur Herausforderung werden. Sie soll den Tag erleichtern und nicht schon am Morgen Disziplin und Härte erfordern. Lasse weg, was dich stresst.
Fazit: Dein Morgen – Dein Weg
Die wichtigste Erkenntnis bei einer Morgenroutine – und bei jeder Routine – ist, dass sie zu dir passen muss. Probiere aus, was für dich funktioniert, und finde deinen eigenen Weg. Sei neugierig und experimentiere. Lass dich von niemandem dazu drängen, strenge Vorgaben zu befolgen. Der Tag sollte achtsam und mit einem gesunden Maß an Selbstfürsorge beginnen. Und genauso sollte er auch enden.
Es ist dein Leben, dein Morgen – gestalte ihn so, dass er dir Freude bringt.
Alles Gute!
Ray